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"Bonami", ein 9-jähriger lettischer Fuchswallach, wurde von einem Händler gekauft. Er war angeblich gut geritten und brav, sodass die Kinder des Händlers ihn im Gelände reiten konnten, was die neue Besitzerin dann auch anfangs durchaus bestätigen konnte, da er im Gelände nicht gerade der Eifrigste war. Das sollte sich aber bald ändern - später ging er manchmal mit hoch erhobenem Kopf oder mit dem Kopf zwischen den Beinen im Galopp durch...
Als ich ihn dann das erste Mal in der Halle sah, ging er sehr verspannt und mit eingeklemmtem Schweif, zudem stolperte er rechts vorne und musste sich sehr lange im Trab lösen. Allerdings fiel mir auf, dass er immer sehr stark an den Zügel gestellt wurde. Bei allem war er sehr maulaktiv: alles, was ihm vor die Nase kam, musste angeschleckt oder gebissen werden. Dabei machte er allerdings leider keinen Unterschied, ob es sich um einen Gegenstand oder eine Hand handelte. Außerdem knirschte er stark mit den Zähnen, wenn er sich unwohl oder ge-(über-)fordert fühlte, auch war seine Angst vor der Gerte offensichtlich.
Bei meinem ersten Besuch habe ich "Bonami" zuerst komplett mit den Händen abgestrichen. Als ich mit dem leichtesten Druck an seinen Rücken kam, stieg er, schlug um sich und ließ danach keine weitere Berührung mehr zu!
Daraufhin habe ich der Besitzerin geraten, einen Tierarzt zu konsultieren, da meiner Meinung nach das Pferd sehr starke Schmerzen im Rücken haben musste (der später noch untersuchte Sattel war ihm viel zu eng). Der Tierarzt stellte eine komplette Muskelverspannung des ganzen Pferdes fest und spritzte regelmäßig Medikamente. "Bonami" durfte daraufhin 3 Wochen lang nicht geritten, aber mäßig bewegt werden. Also nutzte die Besitzerin die Zeit und machte täglich morgens TTouches und nachmittags Bodenarbeit. Die dazu nötigen TTouches habe ich ihr gezeigt, dazu gehörten vor allem Maul-TTouch, Ohren-TTouch und die "leckende Kuhzunge" und nach kurzen Übungen konnte sie schon alleine loslegen. Bei der Bodenarbeit braucht man etwas mehr Zeit zum lernen, da die Koordination der Kette und Gerte am Anfang etwas schwierig ist. Aber auch das ist zu schaffen! Hier arbeiteten wir hauptsächlich mit dem Labyrinth, dem Mikado und dem Stern, um die Biegsamkeit von "Bonami" zu fördern.
Bei der ersten gemeinsamen Bodenarbeit habe ich "Bonami" mit einer Helferin in die Brieftaube genommen. Er war, wie ich auch nach der Erstbeurteilung erwartet hatte, sehr nervig und biß ständig in die Kette. Durch die Brieftaube konnten wir ihn weitestgehend stabilisieren, sodass wir das Kettebeißen ignorieren konnten. Für "Bonami" war dies sehr wichtig, da er uns nur so mitteilen konnten, wenn er überfordert war. Ihn dafür zu strafen hätte nur Nachteile gebracht. Als ersten Erfolg konnte ich ihm auch die Angst vor der Gerte relativ schnell nehmen, indem ich mit dem Gertenknauf TTouches an seinem Körper gemacht habe. Danach war auch das Abstreifen mit der "richtig" gehaltenen Gerte kein Problem mehr. Sobald wir etwas von ihm verlangten, biß er aber nach wie vor in die Kette, versuchte meine Hand zu erwischen und legte die Ohren an. Das Zähneknirschen war dann ständig zu hören. Also habe ich Maul-TTouches gemacht, vor allem am Zahnfleisch, und er wurde ruhiger, schloß die Augen und senkte den Kopf. Das war schon ein großer Erfolg, denn er stand das erste Mal still ohne zu beißen! Also hatte ich endlich einen Zugang zu ihm gefunden und war sicher, dass dies die weitere Arbeit erleichtern würde.
Beim nächsten Mal war "Bonami" schon ruhiger. Wir arbeiteten im Labyrinth, damit er sich - auf uns und nicht auf die Umgebung konzentriert - biegen konnte und dabei zusehends entspannter wurde. Danach haben wir mit ihm das Mikado ausprobiert. Da beide Bodenhindernisse eine sehr starke Konzentration von dem Pferd verlangen, wurden die Übungen allerdings schon nach ca. 10 Minuten beendet, weil "Bonami" dann doch wieder unruhiger wurde und anfing, um sich zu beißen. Zum Abschluss habe ich ihn dann noch getoucht, wieder mit den bereits bewährten Maul-TTouches und zwischendurch Liegende Leoparden-TTouches am Hals bis zur Mitte des Rückens. Der hintere Teil war für mich zunächst noch tabu, er ließ dort nur Berührungen mit der Gerte zu.
Beim 3. Mal habe ich ihn vor der Bodenarbeit direkt getoucht, sobald ich aber an den Rücken und den seitlichen Bauch kam, knirschte er mit den Zähnen. Wie immer drückte er so ganz deutlich sein Unbehagen aus. Also begann ich wieder mit den Maul-TTouches, und danach konnte ich ihn dann auch am ganzen Körper touchen. Bei der Bodenarbeit in der Brieftaube biß er diesmal nicht mehr so häufig und im Labyrinth war er super aufmerksam und reagierte auf das leiseste Signal.
Da zu diesem Zeitpunkt ein anderer Reiter mit einer Plastikplane übte, haben wir "Bonami" ebenfalls hingeführt. Er beschnupperte zunächst das Plastik, biss dann auf einmal hinein und schüttelte es. Erschrocken vor seiner eigenen Courage ging er 2 Schritte zurück, traute sich dann aber wieder heran, biss wieder hinein und schüttelte das Plastik kräftig. Danach ließ er sich problemlos rüberführen und auch auf der Plane anhalten.
Ich habe in den folgenden Übungseinheiten mehrere Führpositionen ausprobiert, weil er leider immer noch die Angewohnheit hatte zu beißen und man ihn daher schlecht alleine führen konnte. Zunächst versuchte ich den Eleganten Elefanten, leider biss er hierbei nur noch mehr in die Kette. Der Anmutige Gepard war alleine gar nicht möglich, da er keinen Abstand zur Führperson halten konnte. Unsere Pferde sind es gewohnt immer eng neben uns geführt zu werden, so ist es für sie - aber auch für uns Menschen - schwierig, einen größeren Abstand voneinander zu halten. Sie / Wir fühlen uns dann unwohl und driften automatisch wieder aufeinander zu.
Der Durchbruch gelang mir schließlich mit der Cobra! "Bonami" fühlte sich offenbar nicht mehr eingeengt. Er wirkte zwar immer noch sehr unkonzentriert, da er ständig nach den anderen Pferden schaute, aber sobald ich nur einen leichten Wink mit der Gerte gab zum Antreten, Anhalten, rechts oder links Gehen, reagierte er prompt und ganz genau. Ich konnte ihn in der Cobra Schritt für Schritt führen und das über sämtliche Bodenhindernisse. Wichtig für "Bonami" war nur, dass ich seine Aufmerksamkeit nicht zwanghaft durch Rütteln an der Führkette auf mich lenken durfte. Er ist sehr freiheitsliebend und eigenständig, macht aber alles mit, wenn er einen Sinn darin sieht und kein Druck herrscht. In den weiteren Übungseinheiten haben wir die Bodenübungen in der Cobra verfestigt, sodass sich "Bonami" später auch in anderen Führpositionen ruhig führen ließ.
Heute besitzt "Bonami" 2 gut sitzende Sättel und wird neben der Englischen Reitweise auch Western geritten. Er geht entspannt mit lockerem Schweif und gleichmäßig im Takt, lernt Zirkuslektionen und wird bei der Bodenarbeit nur mit einem Halfter und einem langen Strick gearbeitet. Meiner Meinung nach würde er sich auch gut für Freiarbeit eignen, was wir bestimmt bald ausprobieren werden.
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