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„Emilio“, unser Eselswallach, kam im Sommer 2000 – damals noch als Hengst - zu uns in Pflege.
Nach kurzer Zeit wollte die damalige Besitzerin ihn abgeben und hat ihn an uns verkauft. Da ich ihn dann zu meiner „Anni" stellen wollte, ließ ich ihn im Herbst 2000 kastrieren.
Da sich nie jemand richtig um die Erziehung von „Emilio“ gekümmert hat, ließ er von Anfang an seine Hengstmanieren an mir aus, die Hufe gab er nur unwillig, beißen, steigen und gezieltes Auskeilen war an der Tagesordnung. Wenn man ihn führen wollte, ging ER mit einem spazieren, nicht umgekehrt. Da ich ihn als Handesel mit meinem Pferd mitnehmen wollte, sollte er auch dieses lernen.
Damit ich eine Beziehung aufbauen konnte, wollte ich ausnutzen, dass er sehr verschmust ist und mit TTouches anfangen. Er liebte es, wenn ich seine Ohren ausstrich und kreiste, was sehr ungewöhnlich für Esel ist, da die meisten von ihren Besitzern durch ewiges Ziehen und Anfassen ohrenscheu gemacht werden. Dem Beißen versuchte ich mit Maulttouches beizukommen. Hier half vor allem das Touchen der Unterlippe.
Nach diesen ersten Schritten habe ich mit Körperarbeit angefangen. Vor allem „Liegende Leoparden“ mit mittlerem Druck hat „Emilio“ genossen. Dies ging soweit, dass ich mich auf einen Strohballen setzen konnte (war wesentlich bequemer als sich zu bücken) und der Esel sich freiwillig vor mir bewegte. Er ging einfach einen Schritt vorwärts, wenn ich die Kreise an einer anderen Körperstelle machen sollte und drehte sich um, wenn ich die andere Seite touchen sollte. Ich ließ ihn gewähren, da ich froh war, dass er mich nicht biss oder nach mir trat und ich endlich einen Zugang zu ihm gefunden hatte.
Nun war er soweit, dass ich mit der Führarbeit anfangen konnte. Da „Emilio“ eine sehr empfindliche Haut hat, nahm ich dazu die Lama-Lead, die ich allerdings noch mit einem Lammfell abpolstern musste, damit das Fell nicht abgeschabt wurde.
Da man einen Esel zu nichts zwingen kann, musste ich mir eine Strategie überlegen, wie ich ihn in das Labyrinth bekam. Er blieb nämlich sofort stehen, da er sich des Sinns der Aufforderung nicht bewusst war bzw. nicht wusste was ich von ihm wollte. Also musste „Anni“ als Trainerin herhalten. Mit ihr ging ich durch das Labyrinth, wobei „Emilio“ wie selbstverständlich hinterherlief. Er blieb immer im Abstand von 2 Metern hinter „Anni“, sodass er auf den langen Seiten anhielt und sich langsam um die Kurven bewegte.
Ich halfterte „Anni“ wieder ab und „Emilio“ auf- und siehe da, es ging. Er ging bereitwillig mit, blieb auch in den Kurven stehen, achtete auf mich und die Gerte, sodass ich die Lama-Lead kaum benutzen musste.
Also habe ich diese Vorgehensweise bei mehreren Bodenhindernissen (Mikado, Stern, L usw.) wiederholt. Es klappte wunderbar. Auffällig war, dass „Emilio“ sich sehr bemühte nur ja keine Stange zu berühren. Im Mikado lief er sehr langsam und bedächtig und blieb häufig, einen Fuß in der Luft haltend, stehen, wägte den Weg ab und ging dann erst weiter.
Mit den Führpositionen hatte „Emilio“ auch keine Schwierigkeiten, nachdem er durch den „eleganten Elefanten“ erst einmal gelernt hatte, der Gerte zu folgen.
Er ließ sich sehr gut im „Geparden“ führen, obwohl er manchmal etwas schnell wurde. Für mich war diese Übung wg. des Einsatzes als Handesel wichtig, da er lernen musste auf Abstand zu bleiben. Mit Hilfe der Führposition „der-Delphin-schnellt-durch-die-Wellen“ lässt er sich auch ca. 15 Minuten longieren, was bei Eseln angeblich äußerst selten vorkommen soll.
Als ich „Emilio“ das erste Mal als Handesel mitnahm, hielt ich neben dem Strick noch die weiße Gerte in der Hand, um ihn im Zweifelsfall stoppen zu können. Auf die ihm vor die Nase gehaltene Gerte reagiert er sofort. So verlief der erste Ausritt einigermaßen harmonisch.
Heute gehen wir regelmäßig zu dritt ins Gelände, wobei „Emilio“ auch im Galopp ruhig neben oder auf Wunsch auch hinter „Anni“ geht. Mit einem Handpferd sollte man auf jeden Fall auch üben, auf Kommando hinter das Reitpferd zu gehen oder auf die andere Seite des Pferdes zu wechseln. Nur so kann man evtl. Engpässe oder schwierige Stellen im Gelände problemlos und sicher bewältigen.
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